Von unserem Rudel-Opa weiß ich, dass viele Menschen ganz bestimmte Vorstellungen haben, was das Verhalten der so genannten „Familienhunde“ oder der sogar noch spezielleren „Kindersicheren Hunde“ betrifft. Dabei messen und beurteilen viele Ersthundehalter uns Hunde allgemein und speziell die so genannten Familienhunde leider nicht nach unseren angeborenen wölfischen Bedürfnissen, sondern an ihren eigenen menschlichen Wunschvorstellungen.
Man erwartet von uns quasi, dass wir jenseits von gut und böse sind und dass wir – weil wir ja „nur so“ in der Familie „mitlaufen“ sollen – ja keine Probleme machen. Wir haben ja angeblich keine andere Aufgabe, als unsere Menschen zu begleiten und sie primär durch unser jeweiliges (manchmal sogar komisches) Aussehen zu erfreuen. Als Familienhund sollen wir nicht jagen, nicht raufen und wir sollen keinen Spür-, Stöber- oder Schutztrieb ausleben. Unerwünscht sind ferner Ängstlichkeit, Scheuheit, übersteigertes Misstrauen und Schärfe. Darüber hinaus sollen wir gut führig sein, eine mittlere Härte und eine enge Bindung zum Menschen besitzen. Eventuell vorhandene Kinder in der Familie sind natürlich zu tolerieren und manchmal sogar zu erdulden. Das wäre dann gleichzeitig auch der „Kindersichere“ Familienhund, den es aber – wie auch den „Kinderfreundlichen Hund“ – als spezielle Rassen gar nicht gibt, und man kann ihn deshalb auch nirgends als fertiges Modell kaufen.
Wenn ein Züchter in seiner Rassebeschreibung oder beim Verkaufsgespräch eines Welpen seine Rasse generell als kindersicher, kinderfreundlich oder als typische Familienhunde beschreiben würde, dann täuscht er damit den Käufer. Diese zwar angestrebten Eigenschaften sind individuelle Merkmale speziell veranlagter und erzogener Hunde, aber nicht bestimmten Rassen zuzuordnen. Natürlich gibt es von Haus aus „kinderfreundliche“ Hunde, aber diese Eigenschaft kann man nicht einer ganzen Rasse zuschreiben. Ob sich ein Hund als Familienhund eignet und nach seiner Früherziehung auch Kinder mag, ist von seinem individuellen Charakter, von seinen Erfahrungen während seiner sozialen Prägungsphasen und der Qualität seiner Früherziehung abhängig.
Hunde müssen auf erwachsene Menschen, aber auch auf Kinder, „geprägt“ werden!! Es genügt nicht, wenn junge Hunde nur erwachsene Menschen kennen lernen. Eine Freundin von mir, die Spanielhündin „Nelly“, liebt erwachsene Menschen, findet aber Kinder „zum kotzen“. Sie hatte in ihren Prägungsphasen nie positive Kontakte mit Kindern.
Wir Hunde müssen nämlich zusammen mit Euch kleinen und großen Menschen den richtigen Umgang miteinander erst lernen. Dazu brauchen wir „wissende“ Menscheneltern, die uns helfen, dass wir unsere gegenseitigen Ansprüche und auch Ängste lernen zu respektieren.
Zum Beispiel, dass uns die Kinder nicht als Spielzeug missbrauchen, sondern lernen, uns als Lebewesen zu respektieren. Dass wir uns gegenseitig nicht das Spielzeug oder das Essen wegnehmen, uns nicht gegenseitig beißen und zwicken. Dass wir in Ruhe essen können und dass wir den Kindern nicht den Kuchen aus der Hand stehlen dürfen. Wenn wir uns auf unseren Schlafplatz zurückziehen, müssen es die Kinder respektieren und dürfen uns auf diesem Platz auf keinen Fall stören. Wir Hunde müssen lernen, dass Kinder keine Hunde sind, und dass sie von uns nicht wie Welpen gemaßregelt werden dürfen, weil sie unsere Hundesprache ja nicht verstehen.
Die Erziehung von uns Hunden ist wie bei den Menschenkindern die Grundlage jeder späteren Ausbildung, und weil Sie damit mindestens ein Jahr lang rund um die Uhr beschäftigt sind, kann sie Ihnen auch kein noch so guter Trainer abnehmen. Es gibt zwar viele Hilfen durch Erziehungsbücher, aber die gehen in der Regel auch von der Grundlage aus, dass Sie als „Erzieher“ erst einmal Ihren Hund verstehen und so respektieren müssen wie er ist. Lesen Sie deshalb vor Anschaffung Ihres Hundes so viel wie möglich über das Verhalten von uns Hunden. Wenn Sie sich dann auch noch im Klaren darüber sind, was Sie selbst wissen, und vor allem was für ein Ziel Sie erreichen wollen, dann werden Sie Schritt für Schritt mit Geduld, Konsequenz und Liebe, wie bei der Kinder-Erziehung, auch dieses Ziel erreichen.
Wenn Kinder mit Hunden zusammen leben, bleibt aber trotz bester Erziehung immer ein „Restrisiko“, das die Menschen nur mit gewissenhafter Aufsicht so klein wie möglich halten können. Und übrigens: „Nur durch positive Erfahrungen mit hundefreundlichen Kindern können sich kinderfreundliche Hunde entwickeln“.
Eure Tante Peppi
(Dieser Meinung können wir uns nur anschließen, Heike u. Andreas Peine)
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